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Mobbing – Was ist das eigentlich?

„Der mobbt mich!“ Selten wird ein Satz so häufig falsch verwendet wie dieser. Jedes Ärgern, jede unangenehme Handlung wird als Mobbing deklariert. Das ist ebenso populär wie falsch. Außerdem ist es schädlich, weil so reales Mobbing verharmlost oder gar nicht erst erkannt wird. Beginnen wir zunächst mit einer eher sachlichen Definition, um herauszustellen, was Mobbing als eine besondere Gewaltform ausmacht:

 

„Mobben ist eine dauerhaftere und grundlegende Form aggressiven Verhaltens, die auf Machtmissbrauch basiert. Mobbing geht meist von mehreren Tätern aus. Mobbing drückt sich in regelmäßigen, schädigenden Handlungen aus.“

 

Mobbing unterscheidet sich von Ärgern oder anderen Formen sozialer oder psychischer Gewalt dadurch, dass die Angriffe über einen längeren Zeitraum erfolgen. Der Angegriffene weiß, dass mit dem Wochenende nicht alles vorbei ist, dass er auch in der nächsten Woche nicht in Ruhe gelassen wird. Er hat in der Schule Angst vor dem Heimweg und am Abend Angst vor dem nächsten Tag. Demütigungen und Angriffe bilden eine Struktur, die sein Leben angstvoll prägt. Dabei ist es den Tätern in der Regel gleichgültig, welche Wirkung das Mobbing hervorruft: Auch hier unterscheidet es sich erheblich von Ärgern oder einmaligem Fehlverhalten. Die Täter schreiben dem Gemobbten eine bestimmte Eigenschaft zu: er ist schwul, sie stinkt, er ist ein Schleimer, sie ist billig usw. Diese Definitionsmacht gibt ihnen das Recht, jeden Beliebigen anzugreifen. In der Regel tun sich mehrere Täter zusammen, manchmal sind es sogar ganze Klassen. Der Einzelne, oft mit absurden Vorwürfen konfrontiert, hat nur sehr selten eine Chance, sich erfolgreich einem Mobbingprozess zu widersetzen.

 

Die Angriffe erfolgen in verschiedenen Formen, von psychischen Demütigungen über sexuelle Bloßstellungen bis hin zu physischen Quälereien. Manchmal reduzieren sich die Angriffe auf nur ein Mittel, wie beispielsweise das gezielte Ignorieren und Ausschweigen eines Opfers, manchmal treten sie auch in Kombination auf, wie im Falle eines Berufsschülers, der als Weichei und Schwuchtel verspottet wurde und dem im Schraubstock Finger gebrochen wurden.

 

Weil die Angriffe dauerhaft und systematisch erfolgen, rufen sie beim Opfer entsprechend langfristige Schädigungen hervor, die sich besonders negativ auf das Selbstbild des Opfers auswirken. Gleichzeitig beeinträchtigt Mobbing nachdrücklich und dauerhaft die soziale Gruppe, in der es stattfindet. Denn Übergriffe gehören zum Alltag, das Gemeine wird das Normale und die Angst, das nächste Opfer zu werden, schüchtert ein.

 

Täter erklären ihr Verhalten bei Konfrontationen immer mit einem Fehlverhalten des Opfers. Das ist Unfug. Mobben muss man nicht, man entscheidet sich, zu mobben.

 

Mobbing zu erkennen bedeutet, eingreifen zu können – nein: zu müssen! Und nur, wenn Sie offensiv mit dem Thema umgehen, können Sie Ihre Schüler gegen jede Form von Mobbing immunisieren.

© Verlag an der Ruhr, 2007
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