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April 2010

Liebe Leser,

 

im Moment steht mein Leben Kopf. Meine kleine Tochter ist schwer krank und wir sind kaum zu Hause. Sie wird in einer Klinik behandelt und diese Woche zum zweiten Mal operiert. Marcel und ich haben uns beide für das nächste Semester beurlauben lassen. Wir wollen bei Pauline sein und die schwere Zeit zusammen überstehen. Das Seltsame ist, dass wir während der schlimmen letzten Monate auch die glücklichsten Momente unseres Lebens hatten. Seit die Zukunft auf dem Spiel steht, ist jedes Lachen im Hier und Jetzt kostbarer geworden.


Eure Marie

 

 

 

September 2009

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Vor fast zwei Monaten ist „Abgestürzt. Ein autobiografischer Jugendroman“ erschienen, und ich bin ziemlich gespannt, wie das Buch bei Euch Lesern ankommt. Es ist ein komisches Gefühl, denn ich habe in dem Buch so viel über mich erzählt, was ich vorher nur mit engen Freunden geteilt habe, und nun kennt auch Ihr diese persönlichen Dinge von mir.

 

Ich bin aber auch froh und erleichtert, dass ich all das aufgeschrieben habe. So habe ich noch einmal die Vergangenheit durchlebt und dabei auch so manche Krise beim Schreiben gehabt. Manchmal bin ich wochenlang um das Schreiben herumgelaufen wie die Katze um den heißen Brei. Dann habe ich irgendwann doch einfach weitergemacht und gemerkt, dass es gut tat, dass ich wieder ein Stück vorwärts gekommen bin und mich überwunden habe.

 

Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass das Buch mir geholfen hat, alles was ich erlebt habe, zu verarbeiten. Ich habe meine Vergangenheit akzeptiert und bin nicht mehr wütend auf mein Schicksal. Ich kann nichts mehr an dem Gestern ändern, aber das Morgen liegt noch vor mir.

Es gibt so viele Menschen, denen es schlecht geht, niemand müsste mit seinem Erlebten alleine dastehen. Ich hatte das Glück, dass in den schlimmsten Zeiten immer noch jemand hinter mir stand und mir den Rücken gestärkt hat. Es wäre schön, wenn es jedem so ginge.

 

Mein Opa, den ich auch im Buch erwähnt habe, ist in diesem Jahr gestorben. Er war einer der Menschen, die immer für mich da waren, wenn auch manchmal nur im Hintergrund. Mir hat es geholfen, dass ich nun meine eigene kleine Familie habe, sonst hätte ich mich in der Trauer um meinen Opa sehr einsam gefühlt.  Er hatte einen Hirntumor und ist ganz plötzlich ins Koma gefallen und zwei Tage danach gestorben. Ich bin noch am Tag seines Todes bei ihm gewesen und habe mit ihm gesprochen. Er hat mich vielleicht nicht gehört, aber ich musste noch ein paar Dinge loswerden. Ich hatte mich nämlich nie bei ihm entschuldigt. Dafür, dass ich ihm an Weihnachten Geld gestohlen habe, um mir Drogen zu kaufen. Und dafür, dass ich ihm so viele Sorgen gemacht habe, wie mein Vater es schon einmal getan hatte.

Das Erlebnis vom Tod meines Opas hat mich daran erinnert, dass man Dinge klären

sollte bevor es zu spät ist. Ich hätte mit ihm sprechen sollen, als er noch antworten konnte. Aber ich denke, dass mein Opa mir längst verziehen hatte, auch ohne es je ausgesprochen zu haben.

Ich freue mich, wenn Ihr weiterhin Interesse daran habt, wie es mir heute geht; ich werde in Zukunft immer mal wieder schreiben, wie es bei mir weitergeht.

 

Eure Marie

© Verlag an der Ruhr, 2007
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